Schlussbild mit „Gellerieb“ – „Kultur im Viereck“ mit „Twotones“, Kannegieser und „Reinig, Braun + Böhm“

… Die Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Kultur im Vierreck“ war gut besucht … Das Programm „Ja, so simmer“ bot eine musikalisch-kabarettistische Hommage an die Pfälzer und ihre Lebensart, auf die Bühne gebracht von drei prominenten Vertretern der regionalen Musik- und Kabarettszene. Begeistert belacht wurde der Beitrag des Pfälzer Comedians Gerd Kannegieser. … Seine Themen kreisten um alltägliche Begebenheiten, die wohl jedem Zuschauer ein „Ah klar, aach schunn erlebt“ ins Gedächtnis riefen. … Nie platt, sondern liebenswert komisch wurde das Publikum einbezogen, das sich nicht lange zierte und Antwort gab. Denn schließlich war es bereits stimmlich geschult durch begeisterte „Hei, hei, hopp-Gesänge“ zum „hopp mer wolle tanze“ des ebenso originellen wie musikalisch gewieften und gut aufeinander eingespielten Folkmusik-Trios „ Reinig, Braun & Böhm“, das einmal mehr von der Cellistin Isabel Eichenlaub unterstützt wurde.

Bei ihrem Liedgut wurden regionalhistorisch Interessierte genau so fündig – beispielsweise beim Lied vom Ritter Hans Trapp vom Berwartstein – wie Freunde des Folk, Blues und Rock. Keyboarder und Flötist Rüdiger Böhm verblüffte fingerfertig mit virtuoser Leichtigkeit an den Flöten, neben sich Cellistin Eichenlaub als groovig-erdende Gefährtin zupfend, klopfend und streichend an ihrem Instrument. Dazu präsentierten ein engagierter Peter Braun an der Gitarre und die pfälzische Antwort auf Joe Cocker, Paul Reinig, zuckend und vibrierend am Akkordeon, musikalische und verbale Anekdoten.

Eben noch an mittelalterliche, fahrende Spielleute mit einer Auswahl an Tänzen und Liedern aus der Pfalz und den französischen Nachbarregionen Elsass und Lothringen erinnernd, folgte der musikalische Sprung über den „großen Teich“ zu pfälzischen Auswanderern nach Pennsylvania. „Verzähl mer nix“ räumte auf mit nostalgischer Verklärung der guten, alten Zeit, gab es doch „an jedem Daach domols was zu leide“ und wie heute „einen ständigen Tanz ums goldene Kalb“. Lebensratschläge wie „Bleib Mensch, hupps net dauernd aus de Hosse“ und dem von Reinig genüsslich bis zur Ekstase zelebrierten knusprig heißen „Dampfnudelblues“ bis zum elsässischen „Hans im Schnoogeloch“ gaben den Gästen „was mit fürs Leben“.

Ihnen standen die „Twotones“ mit Rainer Klundt am Piano und Sängerin Anna Krämer in nichts nach. Krämer freute sich stimmgewaltig über ihren schönsten Tag im Leben, ihre Hochzeit, zu der ihr dann allerdings ein Fiasko nach dem anderen einfiel …  Einer schwülen „Ode an den Friseur“ folgte ein Song mit Tiefgang mit Vorschlag für ein Leben rückwärts, um orgiastisch abzutreten. Der gemeinsame Song aller Darsteller „Is es Läwe noch so trieb, immer hoch die Gelle-rieb“ mit möhrenschwenkend stehenden Besuchern war wie ein cleverer Einstieg in die nahtlos folgenden „Standing Ovations“, wenngleich es diese vermutlich auch so gegeben hätte. Geboten war mehr als zwei Stunden „Kultur im Viereck“ … Die Besucher … traten gut gelaunt … den Weg nach Hause an.

Anke Wanger, DIE RHEINPFALZ, am 11.11.2013 über dieVeranstaltung „Ja so simmer – Pfälzer Lebesgefühl live“, im KulturViereck, Haßloch, zusammen mit Gerd Kannegieser und den „Twotones“.

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